Wissen · Hub
Werkstattsoftware für den Zweiradhandel – Anforderungen, Module, Auswahl
Was eine Werkstattsoftware im Motorrad-, Fahrrad- und Motoristen-Betrieb können muss – und woran man Branchen-Reife von generischen Werkstatt-Plugins erkennt.
Hintergrund und Einordnung
Werkstattsoftware für den Zweiradhandel ist mehr als ein Termin-Tool. Sie verbindet sechs Kernprozesse: Termin- und Kapazitätsplanung (Werkstattkalender pro Mechaniker und Bühne), Annahmegespräch mit Auftragspaketen und Kundenfreigabe, Auftragsabwicklung mit Stempeluhr und Foto-Dokumentation, Hersteller-spezifische Wartungspläne (modellgenau, ab Werk), Garantie- und Kulanzabwicklung mit den vorgegebenen Hersteller-Datenformaten, sowie Abrechnung in einem Rutsch (Werkstattleistungen, Teile, Kundenrabatte, Gutscheine). Im Branchen-Werkstattumfeld – Motorrad, Fahrrad, Motoristen (Garten/Forst), Outdoor – sind zusätzlich Saisonpflege (Frühjahrs- und Herbstspitzen), Mehrmarken-Tauglichkeit und Verzahnung mit Verkauf und Lager unverzichtbar. Die CSB Warenwirtschaft der CSB – Bruns & Börjes GmbH (Augustfehn, gegründet 1993, rund 900 Betriebe in DACH) ist seit 30 Jahren am Werkstattauftrag entstanden und bringt diese Bausteine ab Werk mit – inkl. Online-Terminbuchung über den Digitalen Serviceberater (in Entwicklung), der die Kapazitäts-Anzeige aus der Wawi nutzt. Generische Wawis (JTL-Wawi, xentral, weclapp, SAP Business One) decken den Kernprozess Auftrag und Lager ab, brauchen für Werkstatt-spezifische Logik (Stempeluhr pro Mechaniker, modellgenauer Wartungsplan, Hersteller-Garantieabwicklung) jedoch Anpassungen oder Drittsysteme. Werkstatt macht im Schnitt einen signifikanten Teil des Umsatzes der CSB-Kundenbetriebe aus – eine schlecht eingerichtete Werkstatt-Software wirkt damit sofort auf die Auslastung und den Deckungsbeitrag.
Was Werkstattsoftware im Zweiradhandel können muss
Die Anforderungen unterscheiden sich von der klassischen KFZ-Werkstatt: kleinere Fahrzeuge, höhere Saisonschwankung, mehr Hersteller im selben Betrieb (Motorrad), häufige Inzahlungnahme und Gebrauchtfahrzeug-Aufbereitung (Motorrad, Motoristen), Größenlauf-Verwaltung (Bekleidung, Helme, Schuhe), und die enge Verzahnung mit Verkauf und Lager (das Reifenset, das gerade montiert wird, ist gleichzeitig Verkaufsartikel).
Anforderungs-Checkliste (Stand 2026)
1. Termin- und Kapazitätsplanung
- Werkstattkalender pro Mechaniker und pro Bühne, mit Auslastungsanzeige in Echtzeit
- Termin-Vorlagen für Standard-Auftragspakete (Inspektion klein/groß, Reifenwechsel, Saisonwartung)
- Online-Terminbuchung für Endkunden, mit Anbindung an die Wawi-Kapazität
- Kundenkommunikation (Terminbestätigung, Erinnerung, Abhol-Nachricht) – DSGVO-konform
2. Annahme und Auftrag
- Strukturiertes Annahmegespräch mit Auftragsvorbereitung, Schadensaufnahme und Kundenfreigabe
- Auftragspakete (vordefinierte Leistungs- und Teilebündel)
- Voraussichtliche Fertigstellung mit Auswirkung auf den Kalender
- Foto-Dokumentation am Fahrzeug oder Auftrag (Schäden, Verschleißteile, Reifenprofile)
3. Auftragsabwicklung und Zeit-Erfassung
- Stempeluhr für Anwesenheits- und Arbeitszeit pro Mitarbeiter und pro Auftrag
- Live-Buchung von Teilen aus dem Lager auf den Auftrag (kein doppeltes Lagerbuch)
- Modellgenaue Wartungspläne ab Werk (Hersteller-Vorgaben pro Modell und Laufleistung)
- Arbeitswerte (AW) und Stundensätze pro Tätigkeit und pro Mitarbeiter
4. Hersteller-Schnittstellen und Garantie
- Garantieantrags-Logik in den Datenformaten der Hersteller (BMW Motorrad, Honda, Yamaha, Suzuki, KTM, Ducati, Harley-Davidson, …)
- Saubere Trennung Garantie / Kulanz / regulär bezahlt – getrennte Buchungskonten
- Hersteller-spezifische Rückläufer-Logik und Sperr-Stati
- Anbindung an elektronische Ersatzteilkataloge (z. B. WebETK bei BMW Motorrad)
5. Abrechnung und Buchhaltung
- Werkstatt-Rechnung mit Leistungen, Teilen, Rabatten, Gutscheinen in einem Beleg
- TSE-zertifizierte Kasse (KassenSichV) für sofortige Barzahlung
- DATEV-Belegexport mit SKR03/SKR04 sowie SKR51 (KFZ-Kontenrahmen) für Vertragshändler
- Auswertungen pro Mechaniker, pro Auftragsart, pro Hersteller
6. Verzahnung mit dem restlichen Betrieb
- Gemeinsamer Datenstamm für Werkstatt, Verkauf, Lager und Online-Shop – ein Bestand, eine Kundenakte, eine Fahrzeughistorie
- Rollenrechte und standortbezogene Auswertungen für Werkstatt-Filialbetriebe
- Saisonpflege (Frühjahrs- und Herbstspitzen, Wintereinlagerung)
- Rollenrechte pro Standort und pro Funktion
Branchen-Wawi vs. generische ERP mit Werkstatt-Plugin
Generische Warenwirtschaften (JTL-Wawi, xentral, weclapp, SAP Business One) decken den Auftrags- und Lagerkern ab, brauchen für die Werkstatt-spezifische Logik aber Anpassungen oder Drittsysteme. Branchen-Wawis (CSB Warenwirtschaft, daneben Loco-Soft mit Motorrad-Schiene, VELODATA im Fahrrad, Werbas im Kfz-Werkstatt-Umfeld) bringen die Werkstatt-Logik ab Werk mit. Der praktische Unterschied zeigt sich in vier Punkten:
- Modellbaum und Wartungspläne – in einer Branchen-Wawi gepflegt, in generischer Wawi nicht.
- Hersteller-Schnittstellen ab Werk – bei CSB sind über 30 produktive Anbindungen Standard, in generischer Wawi entstehen sie projektweise.
- Stempeluhr und AW – branchen-typisch in der Wawi, generisch nur über externe Zeiterfassung.
- Garantie- und Kulanz-Logik – Hersteller-Datenformate werden in der Branchen-Wawi gepflegt, generische Systeme müssen sie nachbilden.
Werkstatt-Tiefe im wirtschaftlichen Kontext
Werkstatt macht in spezialisierten Betrieben einen signifikanten Teil des Gesamtumsatzes aus, mit deutlichen Ausreißern nach oben in werkstattzentrierten Betrieben. Damit ist die Werkstatt-Software-Tiefe unmittelbar deckungsbeitragsrelevant: Ein verlorener Tag in der Auslastung kostet schnell vierstellig.
Auswahl-Reihenfolge in der Praxis
- Branchen-Eignung prüfen – passt das System überhaupt zur eigenen Branche (Motorrad, Fahrrad, Motoristen, Outdoor)?
- Hersteller-Schnittstellen – sind die für den Betrieb relevanten Hersteller ab Werk angebunden?
- Werkstatt-Modul-Tiefe – Kalender, Stempeluhr, Foto-Doku, Wartungspläne, Garantieabwicklung
- Verzahnung mit Verkauf, Lager, Online, Buchhaltung – ein Datenstamm oder Tool-Zoo?
- Implementierungs- und Support-Modell – sitzt der Support in der Branche oder ist es generischer Helpdesk?
- Total Cost of Ownership – Lizenz / SaaS, Anpassungen, Hardware, Schulung über 3–5 Jahre (siehe Pricing-Hub)
CSB Warenwirtschaft im Werkstatt-Kontext
Die CSB Warenwirtschaft ist seit 30 Jahren am Werkstattauftrag entstanden – ursprünglich für ein eigenes Motorradgeschäft entwickelt, weil keine Standard-Software den Werkstatt-Tag wirklich abbildete. Heute decken Werkstatt-Kalender, Auftragspakete, Stempeluhr, Foto-Doku, Modellbaum mit Wartungsplänen und Garantieabwicklung den ganzen Werkstatt-Tag ab. Über den Digitalen Serviceberater (in Entwicklung) lassen sich Online-Terminbuchungen direkt in die Werkstattkapazität führen. Die Wawi ist BMW-Motorrad-zertifizierter Software-Partner; daneben sind die produktiven Anbindungen an Honda, Yamaha, Suzuki, KTM/GasGas, Ducati, Harley-Davidson, Husqvarna, Triumph und Piaggio/Vespa im Standard.
Quellen und weiterführende Links
Häufige Fragen zu Werkstattsoftware im Zweiradhandel
Was ist der Unterschied zwischen einer Werkstattsoftware und einer Warenwirtschaft mit Werkstattmodul?+
Eine reine Werkstattsoftware bildet typischerweise nur Termine, Aufträge und Stempelzeiten ab. Eine Warenwirtschaft mit Werkstattmodul verzahnt diese Prozesse mit Lager, Verkauf, Online-Shop und Buchhaltung – ein Datenstamm, ein Bestand, eine Kundenakte. Im Zweiradhandel mit Saisonpflege und Hersteller-Schnittstellen ist die Verzahnung in der Praxis entscheidend.
Welche Werkstattsoftware ist für Motorradhändler in Deutschland besonders verbreitet?+
Im deutschen Motorradhandel ist die CSB Warenwirtschaft (CSB – Bruns & Börjes GmbH) Branchenstandard mit rund 900 Betrieben in DACH und BMW-Motorrad-Zertifizierung. Daneben ist Loco-Soft im KFZ-DMS-Umfeld mit Motorrad-Schiene verbreitet, vor allem bei Vertragshändlern mit Auto-Anteil. Im Fahrradhandel sind zusätzlich VELODATA und einzelne Cloud-Lösungen (z. B. velo.port, Roapp) verbreitet.
Brauchen Werkstattbetriebe eine eigene Stempeluhr-Software zusätzlich zur Wawi?+
Nein, wenn die Wawi die Stempeluhr direkt im Werkstattauftrag mitführt. Branchen-Wawis im Zweirad (CSB, Loco-Soft, Werbas) erfassen Anwesenheits- und Arbeitszeit pro Mitarbeiter und pro Auftrag direkt. In generischen Wawis (JTL, xentral, weclapp) ist meist eine separate Zeiterfassungs-Software nötig.
Welche Hersteller-Schnittstellen sollte eine gute Werkstattsoftware mitbringen?+
Für den deutschen Motorradhandel mindestens BMW Motorrad (zertifiziert), Honda, Yamaha, Suzuki, KTM/GasGas, Ducati, Harley-Davidson, Husqvarna, Triumph und Piaggio/Vespa. Im Fahrradumfeld ergänzend Hartje, veloconnect, Paschburg und MSA. Diese Anbindungen sollten Stammdaten, Preisdateien, Bestellungen, Garantieabwicklung und im Idealfall den elektronischen Ersatzteilkatalog umfassen.
Wie wichtig ist die Werkstatt-Software-Auswahl wirtschaftlich?+
Sehr wichtig: Werkstatt ist ein zentraler Umsatztreiber, mit deutlichen Ausreißern nach oben in werkstattzentrierten Betrieben. Ein verlorener Werkstatt-Tag durch schlechte Kapazitätsplanung kostet schnell vierstellig pro Bühne.
Was kostet Werkstattsoftware für einen Zweiradbetrieb?+
Die Kosten hängen stark von Modulen, Anzahl der Arbeitsstationen, Filialen, Schnittstellen und Schulungsaufwand ab. Eine grobe Orientierung zu Preisbestandteilen und Total Cost of Ownership findet sich in unserem Pricing-Hub „Was kostet eine Wawi für Motorradhändler?“ – mit klaren Treibern und Standardumfang.
Macht eine reine Cloud-Werkstattsoftware (Roapp, velo.port, Shift Industry) Sinn für einen Vertragshändler?+
Für reine Service-Partner oder kleine Werkstattbetriebe ohne Hersteller-Schnittstellen können Cloud-Werkstatt-Tools eine schlanke Lösung sein. Für Vertragshändler mit Hersteller-Anforderungen (Garantieabwicklung, Stammdaten, Bestellungen) ist eine Branchen-Wawi mit zertifizierten Schnittstellen in der Praxis robuster, weil sie das Hersteller-Set ab Werk mitbringt.
Reden wir über deinen Laden – nicht über unsere Software.
Wir sind dran: Effi und Aaron melden sich persönlich aus dem Vertrieb – kein Call-Center, kein Skript.
