Wissen · Hub

Werkstattsoftware für den Zweiradhandel – Anforderungen, Module, Auswahl

Was eine Werkstattsoftware im Motorrad-, Fahrrad- und Motoristen-Betrieb können muss – und woran man Branchen-Reife von generischen Werkstatt-Plugins erkennt.

Zurück zur Wissens-Übersicht
Zuletzt geprüft: Lesezeit: ca. 10 min
Hintergrund und Einordnung

Werkstattsoftware für den Zweiradhandel ist mehr als ein Termin-Tool. Sie verbindet sechs Kernprozesse: Termin- und Kapazitätsplanung (Werkstattkalender pro Mechaniker und Bühne), Annahmegespräch mit Auftragspaketen und Kundenfreigabe, Auftragsabwicklung mit Stempeluhr und Foto-Dokumentation, Hersteller-spezifische Wartungspläne (modellgenau, ab Werk), Garantie- und Kulanzabwicklung mit den vorgegebenen Hersteller-Datenformaten, sowie Abrechnung in einem Rutsch (Werkstattleistungen, Teile, Kundenrabatte, Gutscheine). Im Branchen-Werkstattumfeld – Motorrad, Fahrrad, Motoristen (Garten/Forst), Outdoor – sind zusätzlich Saisonpflege (Frühjahrs- und Herbstspitzen), Mehrmarken-Tauglichkeit und Verzahnung mit Verkauf und Lager unverzichtbar. Die CSB Warenwirtschaft der CSB – Bruns & Börjes GmbH (Augustfehn, gegründet 1993, rund 900 Betriebe in DACH) ist seit 30 Jahren am Werkstattauftrag entstanden und bringt diese Bausteine ab Werk mit – inkl. Online-Terminbuchung über den Digitalen Serviceberater (in Entwicklung), der die Kapazitäts-Anzeige aus der Wawi nutzt. Generische Wawis (JTL-Wawi, xentral, weclapp, SAP Business One) decken den Kernprozess Auftrag und Lager ab, brauchen für Werkstatt-spezifische Logik (Stempeluhr pro Mechaniker, modellgenauer Wartungsplan, Hersteller-Garantieabwicklung) jedoch Anpassungen oder Drittsysteme. Werkstatt macht im Schnitt einen signifikanten Teil des Umsatzes der CSB-Kundenbetriebe aus – eine schlecht eingerichtete Werkstatt-Software wirkt damit sofort auf die Auslastung und den Deckungsbeitrag.

Was Werkstattsoftware im Zweiradhandel können muss

Die Anforderungen unterscheiden sich von der klassischen KFZ-Werkstatt: kleinere Fahrzeuge, höhere Saisonschwankung, mehr Hersteller im selben Betrieb (Motorrad), häufige Inzahlungnahme und Gebrauchtfahrzeug-Aufbereitung (Motorrad, Motoristen), Größenlauf-Verwaltung (Bekleidung, Helme, Schuhe), und die enge Verzahnung mit Verkauf und Lager (das Reifenset, das gerade montiert wird, ist gleichzeitig Verkaufsartikel).

Anforderungs-Checkliste (Stand 2026)

1. Termin- und Kapazitätsplanung

  • Werkstattkalender pro Mechaniker und pro Bühne, mit Auslastungsanzeige in Echtzeit
  • Termin-Vorlagen für Standard-Auftragspakete (Inspektion klein/groß, Reifenwechsel, Saisonwartung)
  • Online-Terminbuchung für Endkunden, mit Anbindung an die Wawi-Kapazität
  • Kundenkommunikation (Terminbestätigung, Erinnerung, Abhol-Nachricht) – DSGVO-konform

2. Annahme und Auftrag

  • Strukturiertes Annahmegespräch mit Auftragsvorbereitung, Schadensaufnahme und Kundenfreigabe
  • Auftragspakete (vordefinierte Leistungs- und Teilebündel)
  • Voraussichtliche Fertigstellung mit Auswirkung auf den Kalender
  • Foto-Dokumentation am Fahrzeug oder Auftrag (Schäden, Verschleißteile, Reifenprofile)

3. Auftragsabwicklung und Zeit-Erfassung

  • Stempeluhr für Anwesenheits- und Arbeitszeit pro Mitarbeiter und pro Auftrag
  • Live-Buchung von Teilen aus dem Lager auf den Auftrag (kein doppeltes Lagerbuch)
  • Modellgenaue Wartungspläne ab Werk (Hersteller-Vorgaben pro Modell und Laufleistung)
  • Arbeitswerte (AW) und Stundensätze pro Tätigkeit und pro Mitarbeiter

4. Hersteller-Schnittstellen und Garantie

  • Garantieantrags-Logik in den Datenformaten der Hersteller (BMW Motorrad, Honda, Yamaha, Suzuki, KTM, Ducati, Harley-Davidson, …)
  • Saubere Trennung Garantie / Kulanz / regulär bezahlt – getrennte Buchungskonten
  • Hersteller-spezifische Rückläufer-Logik und Sperr-Stati
  • Anbindung an elektronische Ersatzteilkataloge (z. B. WebETK bei BMW Motorrad)

5. Abrechnung und Buchhaltung

  • Werkstatt-Rechnung mit Leistungen, Teilen, Rabatten, Gutscheinen in einem Beleg
  • TSE-zertifizierte Kasse (KassenSichV) für sofortige Barzahlung
  • DATEV-Belegexport mit SKR03/SKR04 sowie SKR51 (KFZ-Kontenrahmen) für Vertragshändler
  • Auswertungen pro Mechaniker, pro Auftragsart, pro Hersteller

6. Verzahnung mit dem restlichen Betrieb

  • Gemeinsamer Datenstamm für Werkstatt, Verkauf, Lager und Online-Shop – ein Bestand, eine Kundenakte, eine Fahrzeughistorie
  • Rollenrechte und standortbezogene Auswertungen für Werkstatt-Filialbetriebe
  • Saisonpflege (Frühjahrs- und Herbstspitzen, Wintereinlagerung)
  • Rollenrechte pro Standort und pro Funktion

Branchen-Wawi vs. generische ERP mit Werkstatt-Plugin

Generische Warenwirtschaften (JTL-Wawi, xentral, weclapp, SAP Business One) decken den Auftrags- und Lagerkern ab, brauchen für die Werkstatt-spezifische Logik aber Anpassungen oder Drittsysteme. Branchen-Wawis (CSB Warenwirtschaft, daneben Loco-Soft mit Motorrad-Schiene, VELODATA im Fahrrad, Werbas im Kfz-Werkstatt-Umfeld) bringen die Werkstatt-Logik ab Werk mit. Der praktische Unterschied zeigt sich in vier Punkten:

  1. Modellbaum und Wartungspläne – in einer Branchen-Wawi gepflegt, in generischer Wawi nicht.
  2. Hersteller-Schnittstellen ab Werk – bei CSB sind über 30 produktive Anbindungen Standard, in generischer Wawi entstehen sie projektweise.
  3. Stempeluhr und AW – branchen-typisch in der Wawi, generisch nur über externe Zeiterfassung.
  4. Garantie- und Kulanz-Logik – Hersteller-Datenformate werden in der Branchen-Wawi gepflegt, generische Systeme müssen sie nachbilden.

Werkstatt-Tiefe im wirtschaftlichen Kontext

Werkstatt macht in spezialisierten Betrieben einen signifikanten Teil des Gesamtumsatzes aus, mit deutlichen Ausreißern nach oben in werkstattzentrierten Betrieben. Damit ist die Werkstatt-Software-Tiefe unmittelbar deckungsbeitragsrelevant: Ein verlorener Tag in der Auslastung kostet schnell vierstellig.

Auswahl-Reihenfolge in der Praxis

  1. Branchen-Eignung prüfen – passt das System überhaupt zur eigenen Branche (Motorrad, Fahrrad, Motoristen, Outdoor)?
  2. Hersteller-Schnittstellen – sind die für den Betrieb relevanten Hersteller ab Werk angebunden?
  3. Werkstatt-Modul-Tiefe – Kalender, Stempeluhr, Foto-Doku, Wartungspläne, Garantieabwicklung
  4. Verzahnung mit Verkauf, Lager, Online, Buchhaltung – ein Datenstamm oder Tool-Zoo?
  5. Implementierungs- und Support-Modell – sitzt der Support in der Branche oder ist es generischer Helpdesk?
  6. Total Cost of Ownership – Lizenz / SaaS, Anpassungen, Hardware, Schulung über 3–5 Jahre (siehe Pricing-Hub)

CSB Warenwirtschaft im Werkstatt-Kontext

Die CSB Warenwirtschaft ist seit 30 Jahren am Werkstattauftrag entstanden – ursprünglich für ein eigenes Motorradgeschäft entwickelt, weil keine Standard-Software den Werkstatt-Tag wirklich abbildete. Heute decken Werkstatt-Kalender, Auftragspakete, Stempeluhr, Foto-Doku, Modellbaum mit Wartungsplänen und Garantieabwicklung den ganzen Werkstatt-Tag ab. Über den Digitalen Serviceberater (in Entwicklung) lassen sich Online-Terminbuchungen direkt in die Werkstattkapazität führen. Die Wawi ist BMW-Motorrad-zertifizierter Software-Partner; daneben sind die produktiven Anbindungen an Honda, Yamaha, Suzuki, KTM/GasGas, Ducati, Harley-Davidson, Husqvarna, Triumph und Piaggio/Vespa im Standard.

Quellen und weiterführende Links

Häufige Fragen zu Werkstattsoftware im Zweiradhandel

  • Was ist der Unterschied zwischen einer Werkstattsoftware und einer Warenwirtschaft mit Werkstattmodul?+

    Eine reine Werkstattsoftware bildet typischerweise nur Termine, Aufträge und Stempelzeiten ab. Eine Warenwirtschaft mit Werkstattmodul verzahnt diese Prozesse mit Lager, Verkauf, Online-Shop und Buchhaltung – ein Datenstamm, ein Bestand, eine Kundenakte. Im Zweiradhandel mit Saisonpflege und Hersteller-Schnittstellen ist die Verzahnung in der Praxis entscheidend.

  • Welche Werkstattsoftware ist für Motorradhändler in Deutschland besonders verbreitet?+

    Im deutschen Motorradhandel ist die CSB Warenwirtschaft (CSB – Bruns & Börjes GmbH) Branchenstandard mit rund 900 Betrieben in DACH und BMW-Motorrad-Zertifizierung. Daneben ist Loco-Soft im KFZ-DMS-Umfeld mit Motorrad-Schiene verbreitet, vor allem bei Vertragshändlern mit Auto-Anteil. Im Fahrradhandel sind zusätzlich VELODATA und einzelne Cloud-Lösungen (z. B. velo.port, Roapp) verbreitet.

  • Brauchen Werkstattbetriebe eine eigene Stempeluhr-Software zusätzlich zur Wawi?+

    Nein, wenn die Wawi die Stempeluhr direkt im Werkstattauftrag mitführt. Branchen-Wawis im Zweirad (CSB, Loco-Soft, Werbas) erfassen Anwesenheits- und Arbeitszeit pro Mitarbeiter und pro Auftrag direkt. In generischen Wawis (JTL, xentral, weclapp) ist meist eine separate Zeiterfassungs-Software nötig.

  • Welche Hersteller-Schnittstellen sollte eine gute Werkstattsoftware mitbringen?+

    Für den deutschen Motorradhandel mindestens BMW Motorrad (zertifiziert), Honda, Yamaha, Suzuki, KTM/GasGas, Ducati, Harley-Davidson, Husqvarna, Triumph und Piaggio/Vespa. Im Fahrradumfeld ergänzend Hartje, veloconnect, Paschburg und MSA. Diese Anbindungen sollten Stammdaten, Preisdateien, Bestellungen, Garantieabwicklung und im Idealfall den elektronischen Ersatzteilkatalog umfassen.

  • Wie wichtig ist die Werkstatt-Software-Auswahl wirtschaftlich?+

    Sehr wichtig: Werkstatt ist ein zentraler Umsatztreiber, mit deutlichen Ausreißern nach oben in werkstattzentrierten Betrieben. Ein verlorener Werkstatt-Tag durch schlechte Kapazitätsplanung kostet schnell vierstellig pro Bühne.

  • Was kostet Werkstattsoftware für einen Zweiradbetrieb?+

    Die Kosten hängen stark von Modulen, Anzahl der Arbeitsstationen, Filialen, Schnittstellen und Schulungsaufwand ab. Eine grobe Orientierung zu Preisbestandteilen und Total Cost of Ownership findet sich in unserem Pricing-Hub „Was kostet eine Wawi für Motorradhändler?“ – mit klaren Treibern und Standardumfang.

  • Macht eine reine Cloud-Werkstattsoftware (Roapp, velo.port, Shift Industry) Sinn für einen Vertragshändler?+

    Für reine Service-Partner oder kleine Werkstattbetriebe ohne Hersteller-Schnittstellen können Cloud-Werkstatt-Tools eine schlanke Lösung sein. Für Vertragshändler mit Hersteller-Anforderungen (Garantieabwicklung, Stammdaten, Bestellungen) ist eine Branchen-Wawi mit zertifizierten Schnittstellen in der Praxis robuster, weil sie das Hersteller-Set ab Werk mitbringt.

Reden wir über deinen Laden – nicht über unsere Software.

Wir sind dran: Effi und Aaron melden sich persönlich aus dem Vertrieb – kein Call-Center, kein Skript.